Jahresrückblick 2016

Liebe Freundinnen und Freunde
des Christopher-Street-Day Karlsruhe,

Das vergangene Jahr war für uns vom Orgateam reich an neuen Erfahrungen. Die Paradenroute war noch immer durch die Baustellensituation in Karlsruhe geprägt, aber Schritt um Schritt gewinnen wir die Kaiserstraße, die zentrale Fußgängerzone, wieder für uns zurück. Bei der Kundgebung sprachen neben der Schirmherrin auch erstmals ein Vertreter des „Landesnetzwerks LSBTTIQ“, das als gemeinsames Sprachrohr und Ansprechpartner der Landespolitik für über 90 lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Gruppen und Initiativen in Baden-Württemberg fungiert sowie ein Vertreter der Zusammenschlusses „CSD Südwest“, der die CSDs von Koblenz bis Ulm zu Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Unterstützung vernetzt. Das Familienfest fand nun schon zum dritten – und vermutlich letzten – Mal auf dem Friedrichplatz hinter der Postgalerie statt.

Mit Frau Prof. Dr. Susanne Baer, Richterin des Bundesverfassungsgerichts und selbst in einer Eingetragenen Partnerschaft lebend, hatte unser CSD eine sehr prominente Schirmherrin, die uns und unseren Anliegen auch überregionale Medienaufmerksamkeit verschaffte. Unser Motto „In Vielfalt angekommen. Sicher?“ sollte auf die Situation queerer Geflüchteter aufmerksam machen, die oft durch andere Geflüchtete (bspw. in den gemeinsamen Unterkünften) ebenso wie durch Deutsche homophober Gewalt ausgesetzt sind und keineswegs sicher sein dürfen, daß ihre sexuelle Orientierung überhaupt als Asylgrund anerkannt wird – selbst, wenn ihnen in ihrem Herkunftsland der Tod droht. Das zynische Argument deutscher Gerichte: Sie könnten ihre Orientierung ja verbergen. Unser Partner, das Festival „queerKULTUR“, veranstaltete dazu im April eine interessante Podiumsdiskussion im studentischen Kulturzentrum Z10, die live bei Karlsruhes Freiem Radio Querfunk ausgestrahlt wurde.

Neu war 2016 auch die Plakatwerbung im Stadtgebiet. Wie Ihr ja wisst, weiß keineswegs jede/r in Karlsruhe, was ein CSD überhaupt ist. Deswegen haben wir in den ersten Jahren während der Demoparade Informationsflyer verteilt – das stieß bei einigen CSD-Teilnehmer/innen von außerhalb auf Verwunderung, war aber offenkundig notwendig. Jedes Jahr veranstalten wir auch an den Samstagen vor dem CSD gut angenommene Informationsstände in der Fußgängerzone, um über Sinn, Zweck und Notwendigkeit des CSDs zu informieren. Und so sollten dieses Jahr eben auch die Plakate im Vorfeld auf den CSD aufmerksam machen und zur Auseinandersetzung mit unseren Anliegen – und natürlich zur Teilnahme an Demoparade, Kundgebung und Familienfest – einladen.

Karlsruherinnen und Karlsruher sind auch wieder gemeinsam zu anderen CSDs gefahren, dieses Jahr waren wir, wart Ihr in Köln, Mannheim, Freiburg, Aschaffenburg und Darmstadt vertreten. Auf Initiative des CSD-Orgateams fand auch ein lokales Vernetzungstreffen Karlsruher queerer Gruppen, Vereine und Initiativen statt, auf dem beschlossen wurde, einen gemeinsamen Terminkalender in’s Internet zu stellen, damit jede/r sich auf einfache Weise an zentraler Stelle über die vielfältigen Angebote, die es im Raum Karlsruhe gibt, informieren kann.

Seit Juni sind wir nun daran, den CSD für 2017 vorzubereiten. Dessen Motto wird sein „Bunte Liebe statt brauner Hass!“ – wir nehmen eine politische Rolle Rückwärts wahr, ein Erstarken rechter Parteien und Ideologien, ein Wiederaufkeimen längst überwunden geglaubter Ressentiments und wollen uns dagegenstellen. Der CSD wird im Bundestagswahljahr zwar parteipolitisch neutral bleiben, möchte aber alle Menschen für die derzeitige Situation sensibilisieren und auffordern, ihre Kreuzchen wohlüberlegt zu machen, damit wir nicht in den Mief früherer Jahrzehnte zurückfallen, sondern Deutschland weiter öffnen und zu einem Land entwickeln, in dem jede und jeder so leben kann, wie sie/er es möchte. Die eigene Freiheit endet erst, wo sie die Freiheit der anderen berührt.

Die Demoroute wird auch 2017 ringförmig durch die Innenstadt führen. Die Stadt Karlsruhe hat uns aber eingeladen, das Familienfest künftig zentral auf dem Marktplatz durchzuführen – eine sehr schöne Geste, über die wir uns freuen. Allerdings ist unser Vertrag mit der Firma, die bisher das Fest durchführte, ausgelaufen, und wir stehen aktuell vor der Frage, wie wir ein Fest auf dem Marktplatz überhaupt hinbekommen sollen. Wir wären froh, wenn wir Euch hier heute schon konkreteres mitteilen könnten, aber wir haben noch keine praktikabel erscheinende Lösung gefunden.

„Wir“, das ist ein leider recht überschaubarer Kreis freiwilliger Helferinnen und Helfer, der sich aktuell zweimal im Monat trifft. Für eine tatkräftige Mitarbeit ist es allerdings nicht erforderlich, bei jedem dieser Treffen anwesend zu sein . . . – vielleicht hast Du Lust, uns zu unterstützen? So ist zum Beispiel das Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ aktuell nicht besetzt. Von der Kontaktpflege zur Presse über Rundschreiben wie diesem bis zur Befüllung des Facebookaccounts – hier könnten gleich mehrere Interessierte sich austoben. Ein anderes Thema, bei dem wir nicht so vorankommen, wie wir es müßten, ist – banal gesagt – das Beischaffen von Geld zur Finanzierung des Familienfestes. Denn für so ein Fest braucht es neben der Bühne(ntechnik) auch Sanitäranlagen, Sitzgelegenheiten, Rettungs- und Sicherheitspersonal und so weiter, und leider reichen die Einnahmen durch den Verkauf von Speisen und Getränken bei weitem nicht, diese Kosten zu decken. Aber das Einwerben von Sponsoren, das Vermieten von Werbeflächen etc. ist scheinbar für eine Veranstaltung, die sich um die Rechte von Queers dreht, hier im Südwesten noch immer schwierig. Schwieriger als wir dachten. Auch hier wären wir für Unterstützung sehr dankbar. Und es gibt viele weitere Felder und Themen, bei denen Du Deinen CSD voranbringen könntest. Beispielsweise konzentriert sich das Orgateam aktuell auf den einen Tag, den 3. Juni 2017 (Pfingst-samstag). Schön wäre natürlich, wenn über’s Jahr verteilt und direkt rund um den CSD weitere Veranstaltungen durchgeführt werden könnten . . .

Für den 20. Januar haben wir zur jährlichen Hauptversammlung des CSD Karlsruhe e.V. eingeladen, um unter anderem diese Punkte auch im Kreise der Vereinsmitglieder zu besprechen. Wir wollen diese jährliche Versammlung künftig im Januar durchführen, in zeitlicher Nähe zum Abschluß des Geschäftsjahres. Solltest Du Vereinsmitglied sein, aber keine schriftliche Einladung erhalten haben, so gib uns bitte per Mail an kontakt@csd-karlsruhe.de bescheid.

Dies ist eine Kopie des jüngsten Newsletters des CSD-Orgateams. Wenn Du diese Newsletter per E-Mail erhalten möchtest, dann schreibe an kontakt@csd-karlsruhe.de.

 

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