Taking Woodstock

Die lesbischwulen Filmtage kennt man ja eher von ihrem Festival im Herbst, aber auch sie sind in der CSD-Woche mit drei Sonderspielterminen vertreten: Gezeigt wird die wunderschöne Komödie „Taking Woodstock“ im englischen Originalton mit deutschen Untertiteln.

Hier für Euch eine Beschreibung des Films:

–8<------------------------- Um mögliche Missverständnisse von vornherein auszuschließen: Der jüngste Film von Ang Lee ist kein Konzertfilm über das legendäre Rockkonzert von Woodstock. Vielmehr überrascht der gebürtige Taiwanese nach einer Reihe schwergewichtiger Filmstoffe wie "Brokeback Mountain" oder "Gefahr und Begierde" mit einer charmanten Komödie über einen Außenseiter, der maßgeblich dazu beitrug, dass ein großes Open-Air-Konzert zum Mythos Woodstock mutieren konnte. Der junge Elliot schlägt sich in New York als Innendesigner durch, träumt aber von einer freien Künstlerexistenz in Kalifornien. Doch das Motel seiner Eltern läuft alles andere als berauschend, und so hockt er weiter in seinem heimatlichen Kaff und brütet über Ideen, wie er deren Schulden tilgen kann. Als Elliot aus der Zeitung erfährt, dass einem groß angekündigten Open-Air-Konzert in New York die Erlaubnis entzogen wurde, wittert er seine große Chance. Als Vorsitzender der örtlichen Handelskammer besitzt er eine Lizenz für ein Freiluftkonzert und bietet den Veranstaltern die Kuhwiese hinter dem elterlichen Grundstück als Austragungsort an. Allerdings ahnt er nicht, welche Welle er mit diesem Angebot lostritt. Denn im Handumdrehen rückt eine Armada von Organisatoren und schrillen Musikern in die kleine Landgemeinde an und verschreckt die konservativen Bewohner. Hunderttausende Hippies treffen sich hier zum Happening mit "Love, Peace and Understanding", das in die Musik- und Kulturgeschichte eingehen wird. Der vielseitige Regie-Tausendsassa Ang Lee setzt die von Drehbuchautor James Schamus mit einigen dramaturgischen Freiheiten adaptierte Autobiographie von Elliot Tiber mit Tausenden von Statisten an Originalschauplätzen in Szene, was der Komödie ein hohes Maß an Authentizität verleiht und das legendäre Flower-Power-Lebensgefühl jener Epoche zum Leben erweckt. Der geschickte Einsatz von Split-Screen-Einstellungen in dem warmherzigen Feel-Good-Movie, das nur wenige Tage nach dem 40-Jahre-Jubiläum von Woodstock in die deutschen Kinos kommt, weckt Erinnerungen an die Konzertdoku "Woodstock" von Michael Wadleigh, die den Ruhm des Events um die Welt trug. Die zentrale Plot-Konstruktion erinnert zugleich an Lees Vorliebe für familiäre Spannungen und persönliche Aufbrüche, die schon seinen zweiten Film "Das Hochzeitsbankett" bestimmt hatte. Für einen ebenso eigenwilligen wie amüsanten Blick auf das Event sorgt die Außenseiterperspektive des naiven Helden, der dank der Hippie-Massen sein schwules Coming-out mit einem attraktiven Zimmermann erlebt und sich endlich von seiner autoritär-manipulativen Mutter löst. Dabei bekommt dieser Idealist, wunderbar unbedarft gespielt von dem Komiker Demetri Martin, vom Bühnengeschehen kaum etwas mit, denn auf dem Weg über völlig verstopfte Straßen und verschlammte Hänge bleibt er bei einem Hippie-Paar hängen, die ihm in ihrem VW-Bus seinen ersten Drogen-Trip verschaffen. Die Konzertbühne sehen er und auch der Kinozuschauer quasi nur als ein fernes Leuchten in der Nacht. Dass Elliot ausgerechnet von einem Polizisten, den die netten Blumenkinder vom Skeptiker zum Sympathisanten bekehrten, auf einem Motorrad im Schritttempo in Richtung Bühne gefahren wird, gehört zu Lees schönsten Bildideen, erlaubt sie dem Publikum einen Überblick über das bunte Treiben der Hippies und Vietnamkriegsgegner. Eine Reihe exzellenter Schauspieler nutzt die Spielräume ihrer schrulligen Nebenfiguren zu wunderbaren darstellerischen Miniaturen. So liefert Imelda Staunton als geldgierige, russisch-jüdische Mutter von Elliot eine Glanzleistung am Rande der Karikatur. Am besten jedoch sind die Auftritte von Liev Schreiber als verständnisvollem rosa Transvestit und Ex-Marine, der als Bodyguard für Sicherheit im Motel sorgt. (Reinhard Kleber)

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